„Die Energiewende beginnt im Kleinen“ – Veranstaltung in der Historischen Stadthalle

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte eingeladen, zum Zukunftsdialog NRW – und Viele waren gekommen! Gestern Abend in den Oppenhofer-Saal der Historischen Stadthalle. Die Ränge waren bis zum letzten besetzt. Ging es doch um ein Thema, das jede(n) betrifft: Die „Energiewende von unten“, das heißt wie jeder Einzelne in seinen alltäglichen Abläufen und Lebensweisen und durch neue Formen des Arbeitens und Wohnens die Energiewende aktiv vorantreiben kann.

Das Podium war hochkarätig besetzt. Prof. Christa Liedtke vom Wuppertal-Institut, Andreas Mucke, vom Büro für Quartierentwicklung, Jochen Stiebel, von der Neuen Effizienz, Christian Hampe, von der UTOPIASTADT, Dietmar Bell, Landtagsabgeordneter sowie nicht zuletzt NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze. Die Moderation des Abends übernahm Stefan Seitz.

Die Ministerin verdeutlichte in ihrem Eingangsstatement, dass Nordrhein-Westfalen mit seiner energieintensiven Industrie, aber auch mit seinem dichten Netzwerk an Forschungsinstituten und Hochschulen, die sich seit langem mit dem Thema Energiewende beschäftigen, das Energieland Nr. 1 in der Bundesrepublik sei. Man müsse weg von kurzfristigem Denken, hin zu langfristigen Konzepten, die eine Integration von erneuerbaren Energien, Klimaschutz, Ressourceneffienz und Atomausstieg erlauben. Und dies alles unter der Leitmaxime der Versorgungsicherheit. Das könne nur gelingen, wenn der innovative Umgang mit Energie auch als mithin Kulturwende begriffen werde und in den Köpfen und konkreten Verhaltensweisen der Menschen ankomme. Die Energiewende sei ein überaus facttenreiches Thema und letztlich ein Generationenprojekt.

Dem pflichteten die Podiumsdiskutanten grundsätzlich bei und verdeutlichten an einer Vielzahl von Beispielen aus der Bergischen Region, wie die Energiewende im Kleinen beginnt und in Konsequenz ein Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft und Stadtentwicklung erfordert, das die Bedürfnisse und Belange der Menschen mit einbinde. Andreas Mucke zeigte an einer Reihe von Erfahrungen aus der Quartiersentwicklung auf, dass die energetische Sanierung und Erneuerung gründerzeitlicher Stadtbezirke entlang der Talachse nicht entlang eines Masterplans erfolgen kann, sondern in umsetzbaren, sprich eher zunächst kleinen Schritten für Hausbesitzer und Bewohner erfolgen müsse. Die Menschen müssten überzeugt und mitgenommen werden, sonst bleibe die Energiewende ein hehres Ziel.

Dietmar Bell betonte, dass dabei die Politik zwar Rahmensetzungen vorgeben könne, allerdings nicht in der Lage und gewillt sei, den Menschen Lebensstile vorzuschreiben. „Das Gelingen der Energiewende ist nicht zuletzt ein Akzeptanzproblem. Das heißt die Menschen müssen diese nachvollziehen und in ihrem praktischen Alltag realisieren können.“ Es sei allerdings illusionär zu glauben, dass dies ohne harte Umbrüche, widerstreitende Interessenlagen und Konflikte sich vollziehen werde, wie etwa bei der Umsetzung der Klimaschutzziele deutlich werde. Für Wuppertal ist es für Bell zunächst das Ziel, im überschaubaren Zeitraum der kommenden fünf Jahre, 80 Millionen Euro an Fördermitteln zur Entwicklung der Stadtquartiere zu akquirieren. Dabei müsse man beim Einsatz der Mittel einen integrativen Ansatz verfolgen, der ökologische Aspekte und soziale Entwicklungskomponenten sinnvoll und nachhaltig miteinander verknüpfe.

Am Ende des Abends war man sich einig, dass die Energiewende noch viel an Engagement erfordert. In der Bergischen Region und in Wuppertal würden allerdings bereits vielversprechende Ansätze und Wege verfolgt, im Großen wie im Kleinen, die dem Ziel von energetischer Innovation und Ressourceneffizienz dienten und die phantasievoll weiter beschritten werden müssten.