„Jeder wusste, was in der Fleischindustrie passiert!“

Videostream Rede Josef Neumann

Im Rahmen einer Aktuellen Stunde anlässlich des Corona-Ausbruchs beim ostwestfälischen Fleischfabrikanten Tönnies wurde über die Hintergründe und Konsequenzen diskutiert. Für die SPD ging u.a. Josef Neumann, sozialpolitischer Sprecher seiner Fraktion, in die Debatte. Er unterstrich nochmals, dass die Ursachen für die Masseninfektion in den unsäglichen, menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den Betrieben der Fleischindustrie zu finden sind.

Neumann kritisierte, dass die eigenständige Arbeitsschutzverwaltung in NRW, die einst ein Steckenpferd gewesen war, im Jahre 2007 von der schwarz-gelben Landesregierung unter dem damaligen Minister Karl-Josef Laumann zerschlagen wurde. Die Testungen der in den Fleischfabriken beschäftigten Menschen im Mai, nach dem Virus-Ausbruch bei Westfleisch in Coesfeld, waren reine Makulatur, da man überhaupt nicht wusste, wen man testete, da Tönnies keine Personaldaten herausgab.

Auch habe man bei Tönnies Sonderregelungen erlaubt, die mit Gesundheitsschutz wenig zu tun gehabt hätten. Ebenso stufte man die Fabrik als systemrelevant ein. „Sind 50% Export systemrelevant?“, so Neumann. Er erinnerte daran, „dass wir lange Jahre als Gesellschaft den Mantel des Schweigens über die eigentlich bekannten Zustände in den Fleischfabriken“ geworfen hätten. „Jeder wusste, was dort passiert!“ Nicht zuletzt der Umgang mit den südosteuropäischen Werks/Leiharbeitern sei diskriminierend. Es werde so getan, als lebten diese Menschen nicht unter uns. Vielmehr aber seien sie, solange sie bei uns arbeiten, Bestandteil der regionalen Bevölkerung, mit denen man entsprechend wertschätzend umgehen müsse.