Josef Neumann erinnert an die Deportation polnischer Juden aus Wuppertal vor achtzig Jahren

Über 200 polnische Juden wurden am 28. Oktober 1938 am Gleis im Bahnhof Wuppertal-Steinbeck aus in Richtung Polen abgeschoben. Diese erste große Deportation aus Wuppertal nahm am vergangenen Sonntag der „Verein zur Erforschung der sozialen Bewegung“ zum Anlass für eine Gedenkstunde am Mahnmal am Gleis 4 im Bahnhof Wuppertal-Steinbeck. Auch Andrzej Dudziński, polnischer Konsul, war bei dieser Gedenkstunde zugegen.

Josef Neumann MdL und stellv. Vorsitzender der Parlamentariergruppe NRW – Polen, Mittel- und Osteuropa, Baltikum erinnerte in seiner Ansprache an das Leid und an die ungeklärten Schicksale, die dieser Abschiebung aus Wuppertal folgten. Zudem beschrieb der Neffe eines der Deportierten, Richard Aronowitz aus London, den Lebensweg seines Onkels Isy Aronowitz, der im Oktober 1938 Wuppertal verlassen musste.

Die Abschiebungen aus Wuppertal im Oktober 1938 gehörten zur so genannten „Polenaktion“, in der auf Anweisung Heinrich Himmlers bis zu 17.000 polnische Juden und Jüdinnen an die polnische Grenze deportiert wurden. Auslöser dieser zwangsweisen Massenausweisung war der „März-Erlass“ der polnischen Regierung, die so eine Massenflucht von österreichischen und deutschen Juden und Jüdinnen nach Polen hatte verhindern wollen: Mit dem Märzerlass entzog die polnische Regierung allen polnischen StaatsbürgerInnen, die fünf Jahre oder länger im Ausland gelebt hatten, die Staatsbürgerschaft. Deutschland reagierte hierauf sofort mit einer eigenen Änderung der Ausländerpolizeiverordnung: Bei Entzug der Staatsangehörigkeit, so der deutsche Erlass, verloren hier lebende Menschen automatisch ihre Aufenthaltsgenehmigung – ein Vorwand, Abschiebungen und Massenverhaftungen durchzuführen. Heute häufig vergessen, ist diese „Polenaktion“ in direkter Verbindung mit der folgenden Reichsprogromnacht vom 9. November 1938 zu betrachten.

Dr. Stephan Stracke, Vorsitzender des „Verein zur Erforschung der sozialen Bewegung“ verwies auf die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung für die Ausgewiesenen im polnisch-deutschen Grenzort Bentschen/Zbąszyń – für Josef Neumann durchaus eine Parallele zu heutigen Ereignissen und zur aktuellen Flüchtlingspolitik:

„Damals wie heute stellt sich uns die Frage: Wer ist bereit, flüchtende Menschen aufzunehmen? Wer weist Menschen aus? Die Deportation vor 80 Jahren sind uns eine Mahnung – und zugleich als Thema topaktuell: Wir müssen uns klarmachen, wohin es führt, wenn Hass und Rassismus politische Entscheidungen diktieren. Besonders fatal erscheint mir, auf welche Art und Weise wir heute – 80 Jahre nach diesen Ereignissen – wieder über die Frage von Aufnahme, Flucht und Vertreibung  in Europa und weltweit diskutieren.“