ONE in FIVE – Neumann würdigt für Europarat Unterzeichnung des Paktes zur Beendigung sexueller Gewalt gegen Kinder

In Anwesenheit des Familien-, Gesundheits- und Sozialminister der Deutschsprachigen Gemeinde in Belgien, Antonios Antoniadis, hat der Landtagsabgeordnete Josef Neumann als Vizepräsident des Ausschusses für Aktuelle Angelegenheiten des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas und Repräsentant des Europarates in Eupen an der Unterzeichnung des Paktes zur Beendigung sexueller Gewalt gegen Kinder teilgenommen.
Der Pakt ist ein Beitrag zur Kampagne ONE in FIVE, die 2010 vom Europarat auf Grundlage der sog. Lanzarote-Konvention gestartet wurde. Der Titel umschreibt die auf unterschiedlichen Forschungsprojekten beruhende Annahme, dass ca. jedes fünfte Kind in Europa (!) Opfer von sexuellem Missbrauch oder sexueller Ausbeutung ist.
In seiner Eupener Rede anlässlich der Unterzeichnung hob Josef Neumann die besondere Verantwortung von Gemeinden und Regionen in diesem Zusammenhang hervor. Sie nähmen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung von Menschenrechten – und damit auch der Wahrung des Kindeswohles – im direkten Lebensumfeld ein. Kommunen und Regionen, so der Wuppertaler und Solinger Abgeordnete, „stehen an der Front im Kampf gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder“. Die Dienstleistungen zur Unterstützung von Opfern sexueller Gewalt würden primär auf lokaler und regionaler Ebene erbracht. Hier setzten ebenso erfolgversprechende „präventive und bewusstseinsbildende Maßnahmen“ an.
Neumann würdigte den beschlossenen Leitfaden der deutschsprachigen Gemeinde in Belgien als herausragendes Instrument zur Übersetzung des Paktes in die praktische Arbeit unmittelbar vor Ort.

Der Repräsentant des Europarates nahm Bezug auf die Terminologie „das stille Verbrechen“, die in mehrfacher Weise die besondere Schwierigkeit der Aufarbeitung des Missbrauchs erfasse. Eine erhebliche Dunkelziffer gehe mit der außerordentlichen Zumutung an die Opfer einher, Dritten von dem erlebten sexuellen Missbrauch zu erzählen.
Sexuelle Gewalt werde sehr häufig gerade im engen sozialen und/oder familiären Umfeld ausgeübt und komme einer massiven Erschütterung des eigentlich doch schützenden „Kreises des Vertrauens“ gleich.

Der Fall des Missbrauchsskandals von Rotherham dient als Negativbeispiel, auf dessen Folie die spezifische Funktion lokal und regional gewählter Handelnder in der Bekämpfung der Not von Kinder und Jugendlichen signifikant zum Vorschein kommt.
Inzwischen haben alle 47 Mitgliedsstaaten des Europarates die Lanzarote-Konvention ratifiziert, etwa 60 Städte und Regionen sind bis dato dem Pakt des Kongresses beigetreten.

Josef Neumann appellierte an die Anwesenden, den Pakt als Anleitung zu tätiger Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Schrecken sexuellen Missbrauchs und sexueller Gewalt gegen Kinder und junge Menschen zu begreifen und auch von der parallel geschalteten Online-Plattform regen Gebrauch zu machen.
Sie ermögliche digital die Dokumentation und das Lernen von „Best Practices“, von umgesetzten Handlungsstrategien mit Modellcharakter.

Europas Länder und ihre Regionen und Gemeinden sind aufgefordert, den Opfern „des stillen Verbrechens“, dessen Wirklichkeit sich „direkt vor unserer Haustür“ abspielt, eine unüberhörbare Stimme zu verleihen.